Ich war schon einmal auf St. Michaels Mount (Oops, das klingt wie ein Romananfang. Ich hatte eine Farm in Afrika.Aber nein, dies hier soll nur ein kleiner Blog-Beitrag werden, darüber, wie mich meine eigene Inspiration überholte. Neugierig?)

Ich war also schon einmal auf St. Michaels Mount, 2006 war das, denn die kleine Gezeiteninsel in der nähe von Penzance, mit der Kapelle und dem Schloss darauf und mit ihren Gärten, gehört zu den Hauptattraktionen in diesem Teil Cornwalls. Wir waren damals auf unserer ersten Südenglandreise, sind von Calais nach Dover und dann über Rye, Brighton, Winchester nach Lyme Regis, Teignmouth (wo die legendäre Lieblingsband Museherstammt) durch das Dartmoor (Achtung, Hollyhill!), nach Cornwall gefahren, und haben so auch St. Michaels Mount besucht. Und eigentlich erzähle ich das nur, um darauf vorzubereiten, was zwölf Jahre später geschah … (immer noch neugierig?)

Als mir die Idee kam für Wild at Heart hatte ich das grobe Umfeld der Geschichte schnell umrissen: Das Hotel sollte überschaubar sein, über den Klippen liegen, auf einer Gezeiteninsel (ihr wisst schon, im Notfall hübsch abgeschnitten von der Außenwelt, das kann für allerlei charmante Verwicklungen sorgen). Als Besonderheit zeichnete sich schließlich noch der Herzfelsen vor meinen Augen ab, der – ähnlich wie die berühmten Bedruthan Stepsan der Westküste Cornwalls – aus dem Meer ragen und einen perfekten Treffpunkt für Liebende abgeben sollte. Und obwohl ich seit 2006 mehrfach in Cornwall war und St. Michaels Mount noch ziemlich gut in Erinnerung hatte, kehrten wir im September 2018 noch einmal dorthin zurück, um der Geschichte in meinem Kopf den letzten Recherche-Schliff zu verpassen.

Und, was soll ich sagen? Ich war ziemlich, um nicht zu sagen, grenzenlos überrascht, als ich beim Rundgang durch die kleine Ausstellung im Hafen der Insel feststellte, dass es auf St. Michaels Mount bereits einen Herzfelsen gibt. Ich konnte es gar nicht fassen – ich hatte es ehrlich komplett und ohne auch nur die kleinste Erinnerung daran vergessen und auch, als ich direkt davor stand, machte es nicht Klickin meinem Gedächtnis.

Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob der ursprüngliche Herzfelsen in meinem Unterbewusstsein den Anstoß gab für den, den ich in meinem Schreibkämmerchen erfunden hatte. Aber wahrscheinlich wär’s, oder? Und dass, obwohl das Original so viel anders aussieht als der in meinem Buch. Das Suchbild habe ich euch mal dazu gestellt …

Die Legende besagt übrigens, dass das Herz dem Riesen Cormoran gehörte, der St. Michaels Mount begründete. Und wenn man sich heute auf die Versteinerung stellte, heißt es weiter, könne man das Herz des Gigangen immer noch schlagen hören (dafür allerdings muss man reichlich kleine Füße haben, Anm. der Autorin). Jedenfalls habe ich die kleine Legende um den Riesen, etwas abgewandelt, in meinem Roman untergebracht. Allein deshalb, aber natürlich noch aus vielen, vielen anderen Gründen, hatte sich die erneute Recherchereise nach Cornwall gelohnt. Inspiration ist alles, wenn es um’s Schreiben geht. Selbst dann, wenn man sie mehr als ein Jahrzehnt später erst wieder aus seinem Unterbewusstsein hervorkramt.