Das erste Buch, das ich je geschrieben habe, war ein Jugendbuch. Es hieß „Zurück nach Hollyhill“, war die Geschichte über ein Dorf, das in der Zeit reist, und in meinen Augen ein absoluter All-Ager, über alle Geschlechter hinweg verträglich, sprich: Da ich davon ausgegangen bin, das Buch geschrieben zu haben, das ich selbst gern lesen würde, bin ich zugleich davon ausgegangen, dass es auch anderen Erwachsenen gefallen dürfte. Was auch so war. Den meisten, die Hollyhill gelesen haben (vornehmlich, weil sie mich kannten und mit mir befreundet oder neugierig waren), hat das Buch gefallen, weil spannende, abenteuerliche, romantische Geschichten eben nicht nur Jugendliche ansprechen, sondern Erwachsene gleichermaßen (und all das ist „Zurück nach Hollyhill“ natürlich, klar :-D. Und hat beispielsweise „Fluch der Karibik“ nicht ähnliche Komponenten?).

Jedenfalls: Die, die sich auf den Roman eingelassen haben, waren wirklich begeistert. Doch dann gab es eben auch die anderen.

Eine Bekannte/Freundin von mir besah sich lediglich das Cover, blätterte einmal durch die Seiten und legte das (signierte) Exemplar dann weg mit den Worten: „Das ist wirklich nicht mein Genre.“ Eine andere junge Frau aus meinem näheren Umfeld las es zwar, und kommentierte dann: „Ja, ganz nett für Teenager, nehme ich an.“ Beide Aussagen haben mich unterschiedlich getroffen und auf verschiedene Weise zum Nachdenken gebracht. Wieso sind die Vorbehalte gegenüber Jugendbüchern so groß und woher kommen sie eigentlich?

Einige der Bedenken rühren vermutlich daher, anzunehmen, dass Jugendbücher einfacher geschrieben seien als Bücher für Erwachsene. Da stellt sich zum einen die Frage, warum sollte das so sein? Immerhin wird Jugendbuchautoren sozusagen in die Wiege gelegt, bloß nicht speziell für Jugendliche zu schreiben, denn eine um Jugendlichkeit bemühte Sprache gilt als größter Fauxpas überhaupt. Abgesehen davon haben Jugendliche das überhaupt nicht nötig (ist es nicht so, dass wir noch viel aufnahme- und lernfähiger waren, als wir noch jünger waren?). Und dann, ganz nebenbei bemerkt: Was spricht eigentlich dagegen, in irgendeiner Weise zugänglich zu schreiben, sich nicht zu verdrehen und nicht zu verkünsteln? Ich würde mal behaupten, gar nichts, denn die wirklich Großen haben schon immer so geschrieben, stimmt’s? Und zwar auch in der sogenannten Literatur (ich sage sogenannt, weil die Unterscheidung zwischen Literatur und sogenannterUnterhaltungs-Belletristik noch einen ganz eigenen Blog-Post wert wären …). Wie dem auch sei. Ich selbst schreibe Romane in der Belletristik und Jugendbücher, und letztere schreiben sich keinen Deut einfacher als die anderen. Kein bisschen.

Der andere Aspekt sind vermutlich die Themen, um die Jugendbücher sich drehen – oder von denen Erwachsene mit Vorbehalten denken, es seien die Themen, um die es gehen müsste. Mal überlegen, was könnte das sein? Pubertät? Erste Liebe? Erster Sex? Coming of Age so im Allgemeinen? Man muss gar nicht mal genauer nachdenken, um darauf zu kommen, dass das viel zu engstirnig gedacht ist, denn in Jugendbüchern, da geht es um viel mehr als nur darum, sich selbst zu finden (als wäre das nicht schon schwierig genug). Es geht es um Leben, Tod, Krankheiten, Mobbing, Rassismus etc., etc. All das ist nicht typisch Jugendbuch, es ist allgemeingültig, und die großartigsten Schriftsteller*innen haben schon darüber geschrieben (man denke nur an John Green, Gayle Forman, Matt Haig).

Ich selbst liebe es, Jugendbücher zu lesen und zu schreiben und ich erwarte, noch sehr, sehr lange daran Spaß zu haben (selbst wenn ich dabei immer älter werde, ähem). Aber wie sagte Maggie Stiefvater einmal? „Du weißt nicht, wie du mit 19 bist, bis du – viel älter jetzt – auf die Zeit zurückblickst.“

That’s it.